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Einsamkeit – was kann ich tun?

Aktualisiert: 13. März


Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist in uns allen stark verankert.



Sie werden sich vielleicht fragen: Einsamkeit, was hat das mit unserem Gesundheitsziel "Bleib jung!“ zu tun? Die Antwort: Eine Menge! Schon im Schöpfungsbericht der Bibel steht (Übersetzung nach Luther): "Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei". Die medizinische Forschung der letzten Jahrzehnte hat diese biblische Weisheit immer wieder bestätigt und gezeigt, dass Einsamkeit ein Gesundheitsrisikofaktor erster Ordnung ist. Sie lässt uns schneller altern und ist wahrscheinlich genauso schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag (!).


Ein subjektives schweres Gefühl

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Einsamkeit als ein subjektives Gefühl, das durch die wahrgenommene Diskrepanz zwischen den gewünschten und den tatsächlichen sozialen Beziehungen entsteht. Es ist kein objektiver Zustand, sondern ein Gefühl, das Menschen erleben, wenn sie den Eindruck haben, weniger soziale Kontakte zu haben, als sie sich wünschen, oder wenn die Qualität ihrer sozialen Beziehungen nicht ihren Bedürfnissen entspricht. Alleinsein ist damit nicht dasselbe wie Einsamkeit.


Seit wenigen Jahren gibt es in Deutschland übrigens das Kompetenznetz Einsamkeit. Die Politik hat das Problem Einsamkeit erkannt und auch in dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur 21. Legislaturperiode 2025 auf Seite 105 ausdrücklich adressiert.


Anderen helfen und sich engagieren

Warum ist erlebte Einsamkeit so gesundheitsschädlich? Auch hier hilft uns ein Blick auf die Jahrmillionen der Menschheitsvorgeschichte. Als Individuum war der Mensch, zum Beispiel in der afrikanischen Savanne, nicht überlebensfähig, insbesondere in den ersten Lebensjahren.


Aus meiner Sicht gilt auch für den Gesundheitsrisikofaktor Einsamkeit die alte Erkenntnis: "Vorbeugen ist besser als Heilen". Mitmenschen, die anderen helfen, helfen sich selbst. Viele Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass Menschen, die ein Ehrenamt ausüben, weniger einsam sind - auch wenn ein solches sicher kein Allheilmittel darstellt.


Sich gemeinsam bewegen, singen, tanzen

Meinen Patienten habe ich über viele Jahre empfohlen, sich einer Bewegungsgruppe anzuschließen, beispielsweise einer Nordic-Walking-Gruppe. Regelmäßiges Tanzen oder Singen im Chor sind wunderbar! Nach meiner Meinung ist ein sinnvolles politisches Ziel, die Bewegungsgruppen für Rollstuhlfahrer:innen und Rollator-Benutzer:innen auch im ländlichen Raum zu etablieren.


Für die Kommunalpolitiker:innen unter Ihnen: Der schon begonnene Weg zu einer Umsetzung von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum muss weiter konsequent gemeinsam begangen werden.


Wertvolle Beratung

Unschätzbar ist der Wert von Organisationen auf kommunaler Ebene. Scheuen Sie sich nicht, sich diesbezüglich beraten zu lassen, so beispielsweise bei Ihrer Gemeinde oder Ihrem Landratsamt. Ich bin zudem der Meinung, dass bei Bedarf eine Pflegestufe beziehungsweise ein Pflegegrad rechtzeitig beantragt werden soll.


Tipps gegen Einsamkeit:

  • schließen Sie sich einem Verein an für etwas, das Ihnen Spaß macht - ob Nordic-Walking, Chor oder kreatives Werken

  • wenden Sie sich an Ihre Gemeinde oder Ihr Landratsamt und informieren Sie sich zu Angeboten

  • üben Sie Hobbys aus, die Ihnen Spaß machen, auch ohne Begleitung - so entstehen immer wieder Gespräche und Freundschaften

  • überlegen Sie sich, ob und wenn ja wie Sie sich vorstellen könnten, sich sozial zu engagieren und wenden Sie sich an Organisationen wie beispielsweise das Rote Kreuz

  • wenn es Ihnen psychisch nicht gut geht, konsultieren Sie Ihren Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin und lassen Sie sich beraten

  • Das Wichtigste: Lassen Sie sich nicht unterkriegen! - es sind viele Menschen da draußen, die sich freuen würden, Sie kennenzulernen und mit Ihnen Zeit zu verbringen. Versprochen!


Wichtiger Hinweis: Das Gefühl der Einsamkeit führt nicht selten zu einer Depression und/oder einer Angststörung: unbedingt behandlungsbedürftige Krankheitsbilder. Bitte begeben Sie sich in ärztliche und – wenn möglich – psychotherapeutische Behandlung. Ich empfehle, zu allererst den Hausarzt oder die Hausärztin aufzusuchen, um weitere Schritte zu besprechen.

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