Wie Lachen uns jung und gesund hält
- Dr. Hans Gnahn

- vor 3 Tagen
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"Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.“ (Charley Chaplin)
Von Dämonen und heilendem Lachen
Im alten Mesopotamien, einer der ersten Hochkulturen der Menschheit, glaubte man, dass Krankheiten durch böse Geister verursacht wurden. Humor wurde eingesetzt, um Dämonen zu beleidigen oder lächerlich zu machen. Ein Dämon, über den man lachte, verlor seine Macht und seinen Schrecken.
Die alten Ägypter glaubten, dass die Götter selbst durch Lachen die Welt erschaffen oder geheilt hatten. In Mythen wurde berichtet, dass das Lachen des Sonnengottes Re das Leben hervorbrachte. In der Lutherbibel steht eine Aussage aus dem Alten Testament (Sprüche 17,22): "Ein fröhliches Herz macht den Körper gesund; aber ein bedrückter Geist vertrocknet das Gebein.“
Lachen und die Medizin
Diese Jahrtausendealte Weisheit könnte der spirituelle Vorläufer der
heutigen Redewendung sein: "Lachen ist die beste Medizin!" – und meinen
Patientinnen und Patienten der letzten Jahrzehnte sattsam bekannt.
Der frühgriechische Philosoph Demokrit ging als der "lachende“ Philosoph" in die Geschichte ein. Er betrachtete die Welt mit einer gewissen ironischen Distanz und lachte über die Absurdität des menschlichen Strebens. Der Anekdote nach hielten ihn die Bürger von Abdera für verrückt und riefen Hippokrates zu Hilfe. Dieser habe jedoch festgestellt, dass Demokrit der einzige Gesunde gewesen sei, weil er die Torheit der Welt durch Lachen heilte.

Gemeinsam lachen reduziert Depressionen und verbessert den Schlaf
Die heutige evidenzbasierte Medizin bestätigt diese uralten Erkenntnisse: Humor und gemeinsames Lachen (aber nie Auslachen) verstärken die Arzt-Patientenbeziehung. Eine Meta-Analyse von zehn randomisierten kontrollierten Studien mit 814 Teilnehmern zeigte, dass Lach- und Humorinterventionen signifikant Depression und Angst reduzierten sowie die Schlafqualität verbesserten.
Für den Arzt und Psychotherapeuten Viktor Frankl, einem Holocaust-Überlebenden, spielt der Humor über sich selbst eine zentrale Rolle. Er beobachtete, dass das Über-sich-selbst-Lachen die lähmende Schwere einer Krankheit bessern kann. Frankl forderte Patienten auf, genau das zu parodieren, wovor sie Angst hatten nach dem Motto: "Wer über seine eigene Phobie lachen kann, stellt sich über sie.“
Aus hormoneller Sicht lässt sich das unter anderem durch sinkende Stresshormone und das Freisetzen von Glückshormonen erklären. Eine tiefere Atmung stellt sich ein, Muskeln entspannen - möglicherweise wird sogar das Immunsystem gestärkt.

Klinikclowns und Eckart von Hirschhausen
Interessanterweise arbeiten Klinikclowns oft auch mit dem Mittel der Selbstironie: Sie spielen den "dummen August", der über seine eigene Tollpatschigkeit lacht. Damit laden sie den Patienten (besonders Kinder) ein, ebenfalls über die eigene Situation zu lachen und sich nicht mehr als "kaputt" oder "krank", sondern als Teil der komischen menschlichen Existenz zu fühlen.
Eckart von Hirschhausen schätze ich sehr. Er empfiehlt eine "Humor-Brille": wenn etwas schiefgeht (man verpasst zum Beispiel den Bus), solle man sich vorstellen, man sei die Hauptfigur einer Slapstick-Komödie. In dem Moment, in dem man über die eigene Tollpatschigkeit lacht, wechselt man den Modus des "Opfers" in den Modus des "Regisseurs".
Mir gefällt auch sein Spruch: "Leben Sie jeden Tag, als wäre es Ihr letzter. Eines Tages werden Sie damit recht behalten." Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Bleib jung!
Quellen:





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