Warum ich gegen Gürtelrose geimpft bin
- Dr. Hans Gnahn

- vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 1 Tag

Grund 1: Keine Post-Zoster-Schmerzen
Seit Dezember 2018 empfiehlt die "Ständige Impfkommission" (STIKO) in Deutschland den adjuvantierten Herpes-zoster-subunit-Totimpfstoff (Shingrix®) als Standardimpfung für alle Personen über 60. Der Impfstoff besteht u. a. aus dem rekombinanten Oberflächenglykoprotein gE des Varicella-zoster-Virus und einem Wirkverstärker (AS01B).
Zusätzlich empfiehlt die STIKO die Impfung mit dem Totimpfstoff als Indikationsimpfung für Personen über50 Jahre mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung für das Auftreten eines Herpes zoster. Die Kosten für diese Impfung werden in Deutschland von den Krankenkassen übernommen.
Ich bin Neurologe und habe in meiner Praxis viele Patientinnen und Patienten mit oft über Monate oder sogar Jahre andauernden sogenannten "Post-Zoster-Schmerzen" nach Auftreten einer Gürtelrose gesehen. Die oft quälenden Schmerzen rauben vielen Betroffenen oft über lange Zeit einen guten Teil ihrer Lebensqualität und die eingesetzten Medikamente haben oft Nebenwirkungen.
Ich bin im November 1953 geboren und die publizierten Daten eines ca. 90-prozentigen Schutzes vor "Post-Zoster-Schmerzen" haben mich klar überzeugt, so dass ich mir schon vor mehreren Jahren die beiden Impf-Injektionen habe verabreichen lassen. Bei mir kam es zu einer mäßiggradigen Impfreaktion für etwa zwei Tage.
Grund 2: Prävention vor einer Demenz
Für mich war Grund 1 schon überzeugend genug!
Aber: es gibt jetzt ein aus meiner Sicht ein weiteres starkes Argument für die Impfung gegen Gürtelrose – sehr wahrscheinlich kann diese Impfung das Risiko des Auftretens einer Demenz um ca. 20 Prozent reduzieren.
Meine Skepsis war zunächst groß. Vor vielen Jahren war ich Stipendiat der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" und weiß um den hohen Stellenwert einer gesunden wissenschaftlichen Skepsis gegenüber Behauptungen, die zunächst nicht unbedingt plausibel erscheinen (insbesondere wenn Behauptungen von Firmen oder Personen erhoben werden, die etwas "verkaufen" wollen).
Prof. Ruth Itzhaki wusste es schon lange
Eigentlich hätte ich aber die große Frau Prof. Ruth Itzhaki, Universität Oxford, UK schon viel früher ernst nehmen müssen. Sie betreibt seit etwa 40 Jahren Grundlagenforschung mit der Frage, ob Viren eine Rolle bei der Entstehung der Alzheimer Demenz spielen – und sie hat über viele Jahre Ablehnung und sogar Spott seitens anderer Alzheimerforscher ertragen müssen und dennoch nicht aufgegeben. Sie ist jetzt über 90 Jahre alt und die britische Zeitschrift "The Economist" hat sie in einem bemerkenswerten "Babbage"- Podcast vom 19. März 2025 interviewt. Der Titel des Podcasts ist aufschlussreich: "What if Alzheimer is triggered by viruses?"
Einer der früheren Kritiker, der berühmte Alzheimerforscher, Prof. John Hardy, University College London, UK, wird in dem Podcast ebenfalls interviewt und räumt bemerkenswerterweise ein, dass Frau Prof. Ruth Itzhaki doch in mancherlei Hinsicht Recht haben könnte und dass man zu dogmatisch mit ihr umgegangen sei.
Nebenbei: Das Abonnement der Podcasts des "Economist" ist deutlich günstiger als das Abonnement der gesamten Zeitschrift. Ich habe mir selber "weniger Sitzen und mehr Gehen" verordnet. Podcasts sind da für mich ein Gewinn. Näheres dazu in einem kommenden Beitrag für Bleib jung!.
Studien sind überzeugend
Ein weiterer Interview-Partner des "Babbage“–Podcasts des "Economist" war Pascal Geldsetzer, ein "Assistant Professor" an der Stanford Universität, Kalifornien, USA. Eine von ihm geführte internationale Arbeitsgruppe mit österreichisch-deutscher Beteiligung hat am 02. April 2025 eine meines Erachtens bemerkenswerte Arbeit in der führenden Wissenschaftszeitschrift "Nature" publiziert mit dem Titel: "A natural experiment on the effect of herpes zoster vaccination on dementia"
Dieses "natürliche Experiment" ist aber nicht der einzige Hinweis darauf, dass die Impfung gegen Gürtelrose des Demenz-Risiko um ca. 20 Prozent reduzieren kann. Der international sehr hoch angesehene Prof. Eric Topol, Scripps Research, La Jolla, Kalifornien, USA hat kürzlich in seinem Beitrag "Ground Truths“ – Analysen vom 05. April 2025 die aktuelle Datenlage überzeugend zusammengefasst:
"Die Gürtelroseimpfung und eine Verringerung von Demenz – Eine überzeugende neue Studie trägt zu den Daten bei, die einen gewissen Schutz durch die Impfung belegen.“
Ein mutiger Wissenschaftler
Nebenbei: Prof. Topol ist 70 Jahre alt, aber immer noch wissenschaftlich hoch aktiv. Er ist einer der meist zitierten Medizinforscher der Welt und steht dem US-Gesundheitswesen oft sehr kritisch gegenüber. In der Vergangenheit hat er großen persönlichen Mut in einer Auseinandersetzung mit einer Pharma-Firma bewiesen. Auf sein in Kürze erscheinendes Buch: "Super Agers – An Evidence-Based Approach to Longevity" bin ich persönlich schon sehr gespannt.
Bleib jung!





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