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Den inneren Schweinehund überlisten

Drei Freunde mittleren Alters sitzen an einem Tisch, trinken gemeinsam Kaffee, lachen miteinander und haben eine gute Zeit in Gemeinschaft.
Die Füße hochlegen ist schön - woher der innere Schweinehund eigentlich kommt und wie man es schaffen kann, ihn zu überlisten. Foto: Annie Spratt/Unsplash+

Mein lange verstorbener Onkel Hans hatte in unserem früheren Mehr-Generationen-Bauernhaus in seinem Zimmer Sinnsprüche auf Baumscheiben im Schrägschnitt – wie sie damals in 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts üblich waren. An einen Spruch kann ich mich noch heute gut erinnern: "Gott erhalte mir meine guten Ausreden“.


Ich muss oft daran denken, wenn mein innerer Schweinhund mir vielfältige Ausreden einflüstern will, warum ich gerade nicht Gehen, Radfahren oder ins Fitness-Studio gehen kann. Das ist dann mitunter schon ein "Schweine-Elefant", den ich nicht mehr an die Leine legen kann.


Dem großen Wissenschaftler Theodosius Dobzhansky verdanken wir die Erkenntnis:

"Nichts in der Biologie ergibt einen Sinn außer im Licht der Evolution.“

Denn dass wir uns oft lieber mit einer Tüte Chips auf die Couch legen, statt bei Nieselregen vor die Tür und ein gutes Stück gehen, ist kein Zeichen von Charakterschwäche. Es ist eigentlich ein Jahrmillionen altes Erbe unserer Vorfahren.


Eine Frau schläft tief und fest in ihrem Bett.
Tiere machen es vor: Sich entspannen ist evolutionär vorprogrammiert und wichtig für die Gesundheit. Foto: Getty Images/Unsplash+

Wissenschaftlich lässt sich der "innere Schweinehund" primär durch die Evolutionäre Psychologie und die Neurobiologie erklären. Unser Gehirn läuft quasi noch mit einem Betriebssystem aus der Steinzeit, während wir in einer modernen "Schlaraffenland-Umwelt" leben.


In der Evolution war Energie die wertvollste Währung. Über Millionen von Jahren galt: Wer unnötig Kalorien verbrannte, riskierte bei der nächsten Hungerperiode den Tod.


  • Energiesparmodus: Unser Körper ist darauf programmiert, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Sport ohne direkten Überlebenszweck (wie die Flucht vor einem Raubtier) war für unsere Vorfahren schlichtweg unlogisch.


  • Kalorien-Hoarding: Wenn hochenergetische Nahrung (Zucker, Fett) verfügbar war, musste man zuschlagen. Dass wir heute vor dem Fernseher Schokolade essen, ist die moderne Antwort auf den archaischen Drang, Vorräte für schlechte Zeiten anzulegen.


Ein Klinikclown heitert eine junge Patientin auf.
Dass viele von uns gerne Süßes und Kalorienreiches essen, ist kein Zufall, sondern genetisch festgelegt, um das Überleben zu sichern. Foto: Getty Images/Unsplash+

In unserem Gehirn findet eine ständige Auseinandersetzung zwischen zwei Bereichen statt:


Akteur

Funktion

Ziel

Limbisches System

Das emotionale Zentrum (der Sitz des "Schweinehundes").

Sofortige Belohnung, Lustgewinn, Schmerzvermeidung

Präfrontaler Kortex

Das rationale Kontrollzentrum.

Langfristige Planung, Vernunft, Ziele (z.B. "Ich will gesund alt werden").


Das limbische System will als emotionales Zentrum also lieber die schnelle Belohnung in Form von Entspannung und Schokolade, sich eben nicht anstrengen. Der präfrontale Kortext hingegen fordert uns auf: Mach Sport, damit du gesund alt werden kannst!


Der Schweinehund gewinnt dabei sehr häufig, weil das limbische System schneller und stärker reagiert. Evolutionär macht das Sinn: Wer erst lange überlegte, ob der Säbelzahntiger wirklich gefährlich ist, wurde gefressen. Die spontane Emotion schlug die Ratio.


Die "Mismatch-Theorie"

Dieses Konzept erklärt das Problem am besten: Unsere Umwelt hat sich in den letzten 10.000 Jahren rasant verändert, unsere Gene aber kaum.

  • Damals: Bewegung war lebensnotwendig (Sammeln/Jagen), Kalorien waren rar.

  • Heute: Bewegung ist optional, Kalorien sind im Überfluss vorhanden.


Der Schweinehund ist also eigentlich ein veralteter Überlebensmechanismus. Er will uns vor dem Verhungern und vor Erschöpfung schützen – er hat nur noch nicht mitbekommen, dass es den Supermarkt um die Ecke gibt.

Da wir unsere Evolution nicht rückgängig machen können, hilft es, den Schweinehund nicht als Feind zu sehen, sondern als vorsichtigen (wenn auch schlecht informierten) Berater. Um ihn zu überlisten, muss man die Hürden für gesundes Verhalten senken (z.B. Sportschuhe schon abends bereitstellen) und Belohnungen schaffen.


Ein Klinikclown heitert eine junge Patientin auf.
Um sich zu überwinden, die Laufschuhe für eine Runde zu schnüren, müssen viele erstmal den inneren Schweinehund alias das limbische System "überlisten". Foto: Getty Images/Unsplash+

Um das Steinzeit-Gehirn auszutricksen, müssen wir aufhören, gegen unsere Biologie zu kämpfen, und stattdessen anfangen, sie zu überlisten. Da mein limbisches System (der Schweinehund) keine abstrakten Zukunftspläne versteht, müssen wir in seiner Sprache sprechen: Belohnung, Einfachheit und Instinkt.

Entscheidungen fressen Willenskraft. Mein Steinzeit-Gehirn liebt Automatismen. Zum Beispiel gehe ich zu Fuß in die Praxis, gehe Treppen (statt Aufzug). Feste Regeln sind hilfreich – dann ist die Entscheidung bereits getroffen bevor der „innere Schweinehund“ zu grübeln anfängt.


In der Steinzeit war der Ausschluss aus der Gruppe das Todesurteil. Die soziale Kontrolle ist ein mächtiges Kontrollinstrument. Ich betreibe z. B. zweimal in der Woche gemeinschaftliches „Nordic Walking“ mit fester Zeitvereinbarung.

Dem bengalischen Allround-Genie und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore wird die Lebensweisheit zugeschrieben:


"Ich schlief und träumte, das Leben wäre Freude. Ich wachte auf und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und sah, die Pflicht war Freude.“

Diese Maxime hat mir oft geholfen. Echte Lebensstiländerungen ohne Freude daran, sind aus meiner Sicht leider zum Scheitern verurteilt.




Ändere Dein Leben, hab Freude daran und bleib jung!



Quellen:

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