Was wir von Japan lernen können
- Christian Gnahn
- 11. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Die fernöstlichen Länder Japan und Süd-Korea sind bekannt dafür, dass die Menschen dort länger leben und dabei gleichzeitig gesünder sind als hierzulande. Was wir von Japanern lernen können.
Warum sind sie gesünder?
Beide Länder sind hochindustrialisiert und haben ein mit Mitteleuropa vergleichbares Pro-Kopf-Einkommen. Umso erstaunlicher ist es daher, dass dort gleichzeitig die Ausgaben für die Gesundheitssysteme deutlich niedriger ausfallen als bei uns. Das Gesundheitswesen in Deutschland hat zwar einen international anerkannt hohen Standard. Aber Japan und Süd-Korea gelten auf diesem Gebiet als zumindest gleichwertig, wenn nicht sogar besser.
Was sind also die Gründe dafür, dass die Menschen im fernen Osten gesünder sind und länger leben, obwohl sie gleichzeitig weniger fürs Gesundheitswesen ausgeben? Was ist dort anders oder sogar besser als bei uns?

Viel Fisch, wenig ungesunde Fette
Besuchern aus westlichen Ländern fallen sogleich einige wichtige Unterschiede auf. Die fernöstliche Küche und damit die Ernährung ist anders als bei uns. Das Essen ist reich an Fisch, Soja, Gemüse und Algen, enthält dafür aber wenig Zucker und wenig ungesunde Fette. Oft kann man dem Koch im Restaurant bei der Zubereitung der eigenen Bestellung zuschauen, fast immer bestehend aus frischen Zutaten.
Es werden auch viel weniger hochverarbeitete Lebensmittel konsumiert. Mir als westlichem Besucher ist ganz besonders aufgefallen, dass es als unhöflich gilt in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken (außer im Shinkansen-Zug).
Auch das "Hara Hachi Bu" gehört zum Essen in Japan. Man hört auf, wenn der Magen zu 80 Prozent gefüllt ist. Schlank sein gilt in der japanischen Gesellschaft als besonders erstrebenswert.

Mit dem Zug fahren
Außerdem gehört es zur japanischen Kultur, sich viel zu bewegen. Der tägliche Weg zur Arbeit, Schule usw. wird vorwiegend zu Fuß und/oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Selbst in Großstädten wie Tokio fällt auf, dass wenig Auto gefahren wird, dafür aber umso mehr öffentliche Verkehrsmittel benutzt und zu Fuß gegangen wird.
Das führt dazu, dass der Anteil der Übergewichtigen (mit Adipositas) in Japan nur ein Fünftel unserer Rate beträgt. Als Folge davon leiden die Menschen viel seltener unter den Folgeerscheinungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Engagement und Familie
Schließlich gibt es auch noch "Ikigai", ("das, wofür es sich zu leben lohnt"). Man begegnet dieser Philosophie überall in Japan.
Dazu gehört, dass die Seniorinnen und Senioren auch im Altersruhestand weiterhin aktiv sind und sich generell mehr im gesellschaftlichen Leben engagieren als bei uns. Sie betätigen sich als freiwillige Guides für Besucher und Touristen. Sie helfen an Kreuzungen über die Straße und arbeiten auf vielfältige Weise in öffentlichen Einrichtungen.
Ganz besonders wichtig ist der Familienverband. Viel mehr als bei uns stehen die familiären Interessen vor den individuellen Wünschen. Höflichkeit und Respekt gegenüber den Älteren gehört dazu und ist überall zu spüren.

Natürlich gibt es viele Gründe, warum das Leben im fernen Osten so anders ist als bei uns. Aber: Die Menschen in Japan und Süd-Korea kommen dem Ideal von "Bleib Jung!" sehr nahe. Daher glaube ich, dass wir das eine oder andere von der fernöstlichen Kultur lernen können.
Ich persönlich könnte schon mal mit dem Essen anfangen. Mehr Frische, weniger hochverarbeitete Lebensmittel, bewussteres Essen und vor allem "Hara Hachi Bu", also nur noch zu 80 Prozent satt essen 😉
Bleib jung!
Quellen:

